Die Klimakonferenz in Belém brachte schwache Zusagen zu fossilen Brennstoffen, Gendergerechtigkeit, Anpassung und Finanzierung. Für Organisationen aus dem kirchlichen Umfeld besteht die zentrale Herausforderung nun darin, ihre politische Einflussnahme zu stärken und die am stärksten betroffenen Gemeinschaften weiterhin zu begleiten.

19. November 2025, Belém, Brasilien. Mitglieder der ACT Alliance und der ökumenischen Delegation beteiligen sich an einer öffentlichen Medienaktion, die eine verbindliche und qualitativ hochwertige Finanzierung für Klimagerechtigkeit fordert.
Foto: ACT Alliance
Die COP30, die in Belém do Pará stattfand, endete mit einer Mischung aus Frustration und Alarmbereitschaft. In einem Jahr mit Rekordtemperaturen und angesichts weltweiter Forderungen nach sofortigem Handeln verpassten es die Regierungen, die historische Chance zu nutzen, einen klaren Weg zum Ausstieg aus fossilen Energieträgern einzuschlagen – der Hauptursache der globalen Erderwärmung.
Mehr als 80 Staaten, angeführt von Kolumbien, unterstützten den Vorschlag einer globalen Roadmap zum schrittweisen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen. Diese Ambition fand sich noch in frühen Entwürfen wieder, überlebte jedoch nicht den finalen Text. Der Grund wurde deutlich: der Druck erdölproduzierender Staaten und mächtiger wirtschaftlicher Interessen, die jede reale Transformationsperspektive blockierten. Dieser Rückschritt sendet – inmitten einer eskalierenden Klimakrise – ein besorgniserregendes Signal: ökonomische Interessen wiegen weiterhin schwerer als wissenschaftliche Evidenz und die Stimmen der betroffenen Regionen.
Eine Woche Hoffnung, eine Woche Rückschritte
In der ersten Woche stellte Brasilien das sogenannte Mutirão vor – eine Plattform, die ambitionierte Entscheidungen in vier zentralen Bereichen versprach:
- höhere Ambitionen bei der Anpassung
- klare Ziele zur Eindämmung der Entwaldung
- Beschleunigung der Energiewende
- eine solide Klimafinanzierung
Alles deutete darauf hin, dass die COP30 ein bedeutendes politisches Vermächtnis hinterlassen könnte. Doch in der zweiten Woche schlossen sich die Verhandlungen zunehmend, Transparenz ging verloren und die Texte wurden abgeschwächt. Das Ergebnis waren Minimalvereinbarungen:
Die Finanzierung für Anpassungsmaßnahmen soll zwar verdreifacht werden – jedoch erst bis 2035, weit entfernt vom tatsächlichen Bedarf. Der Fonds für Verluste und Schäden wurde mit unzureichenden Mitteln aktiviert. Ein verbindlicher Beschluss zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen blieb aus, und der Gender-Ansatz wurde deutlich geschwächt – ohne eigene Finanzierungszusagen und mit Rückschritten gegenüber früheren Fortschritten.
Warum dies unsere Region besonders betrifft
Lateinamerika gehört zu den Regionen, in denen die Klimakrise besonders gravierende Auswirkungen hat: Waldbrände, langanhaltende Dürren, Überschwemmungen, erzwungene Migration, Biodiversitätsverlust und direkte Betroffenheit ländlicher Bevölkerungen, indigener Völker und von Frauen, die die sozialen und ökonomischen Folgen in unverhältnismäßigem Maß tragen.
Vor diesem Hintergrund ist das Ergebnis der COP30 nicht nur eine diplomatische Debatte, sondern hat konkrete Auswirkungen auf das Leben von Millionen von Menschen.
Eine ausstehende Entscheidung: Menschen und Planet an erste Stelle setzen
Aus Sicht von Hora de Obrar und der anwesenden Organisationen aus dem kirchlichen Umfeld wurde in Belém deutlich, dass extraktivistische Interessen weiterhin den politischen Raum dominieren. Umso notwendiger ist es, eine gemeinsame politische Einflussnahme zu stärken, die das Leben und die Rechte der Gemeinschaften in den Mittelpunkt stellt.
Ein besonderer Moment der Hoffnung zeigte sich jenseits der offiziellen Verhandlungen – auf dem Gipfel der Völker und im Bewegung der von Staudämmen Betroffenen (MAB). Dort tauschten Gemeinschaften, Basisorganisationen, Kirchen und soziale Bewegungen Analysen, Erfahrungen und Visionen für eine gerechte Zukunft aus.
In diesen Räumen gab es keine verordneten Schweigen und keine Verhandlungen hinter verschlossenen Türen – sondern Erinnerung, Präsenz und die gemeinsame Überzeugung, dass Klimagerechtigkeit vernetzt und gemeinschaftlich aufgebaut wird.
Eine gerechte Transformation, der Schutz der Territorien, die Verteidigung des Wassers, Agroökologie, Wiederaufforstung und eine konsequente Genderperspektive dürfen nicht durch halbherzige politische Entscheidungen verdrängt werden.
Die Erde ruft nach einem ethischen, politischen und spirituellen Engagement. Deshalb bekräftigen die Glaubensgemeinschaften ihr Engagement für eine gerechtere Gegenwart und Zukunft mit Klimagerechtigkeit, unter anderem durch:
- Unterstützung agroökologischer Transformationsprozesse in den Regionen
- Verteidigung des Wassers als Gemeingut und Menschenrecht
- Wiederaufforstung mit heimischen Arten zum Schutz der Schöpfung
- Begleitung von Frauen, Jugendlichen und Kindern, die bereits heute unter den Folgen der Krise leiden
- Erhebung einer prophetischen Stimme gegen lebenszerstörende Wirtschaftsmodelle
Hora de Obrar auf der COP30
Im Rahmen der Konferenz nahm auch der Leiter von Hora de Obrar, Nicolás Rosenthal, in seiner Rolle als Moderator der weltweiten ACT Alliance, an einem Podium teil. Dort betonte er die dringende Notwendigkeit, die internationale Zusammenarbeit zu stärken und verbindliche Ausgleichs- und Kompensationsmechanismen durch die Länder mit den höchsten Emissionen auszubauen – zugunsten jener Staaten und Gemeinschaften, die am stärksten unter der Klimakrise leiden, ohne zu ihren Hauptverursachern zu gehören.
Rosenthal kehrte enttäuscht über die Ergebnisse der Konferenz zurück und äußerte die Hoffnung, dass es auf internationaler Entscheidungsebene bald zu ambitionierteren und gerechteren Antworten kommen wird.Die COP30 ist beendet – doch die eigentliche Arbeit, jene, die Territorien verändert, Gemeinschaften stärkt und die Schöpfung bewahrt, geht weiter.